Auswandern nach Norwegen

Auswandern oder nicht? Wie Du Deine ganz persönliche Antwort findest

Auswandern – das klingt für viele nach Traum, nach Abenteuer, nach neuen Chancen und unendlichen Möglichkeiten. Ich bin vor drei Jahren nach Norwegen ausgewandert, voller Mut und einer großen Portion Naivität. Auswandern in ein anderes Land ist einfach, aber das Bleiben erfordert viel Geduld und Stärke. Welche 7 Fragen Du Dir vor einer Auswanderung unbedingt stellen solltest, damit Dein Traum vom Auswandern kein Albtraum wird, liest Du in diesem Beitrag.


Norwegen ist das Ziel vieler Auswanderer aus Deutschland
Der Traum vom Auswandern: Dauerhaft dort zu leben, wo andere Urlaub machen.

1. Warum möchtest Du auswandern?

Als ich das erste Mal im Sommer 2014 nach Oslo kam, verliebte ich mich sofort. In die Stadt, den Fjord, die Bars, die Norweger und die erträglichen Temperaturen. Ich flog immer wieder nach Oslo und war jedes Mal betrübt, wenn ich zurück nach Berlin musste. In Oslo fühlte ich mich leicht, unbefangen und wie die Version von mir, die ich immer sein wollte.

Ein Jahr später verbrachte ich meinen Sommerurlaub wieder in der Stadt am Fjord. Ich verliebte mich erneut. Diesmal in einen Mann. Und das mit Haut und Haar. Der Mann war das berühmte Tüpfelchen auf dem i. Mit Ende 20 kehrte ich Deutschland den Rücken zu.

Verliebtsein ist nicht Alltag. Egal wie glücklich Du am Anfang der Auswanderung bist, der Alltag wird früher oder später einziehen. Warst Du in Deutschland unzufrieden mit Dir selbst, wirst Du es auch im neuen Land sein. Die wichtigste Frage, die Du Dir vor einer Auswanderung stellen solltest ist: Warum möchtest Du auswandern? Was ist der wahre Grund?

  • Bist Du mit Deinem Leben in Deutschland unzufrieden?
  • Vielleicht mit Deiner Partnerschaft?
  • Erfüllt Dich Dein Job nicht mehr?
  • Ist es eigentlich Dein/e Partner/in, der/die vom Auswandern träumt?
  • Sehnst Du Dich nach neuen Abenteuern?
Meine Tipps: Sei absolut ehrlich zu dir selbst! Es nützt weder Dir noch Deiner Familie oder Deinem Partner/Deiner Partnerin, wenn Du den Schritt wagst und alle Zelte in Deutschland abbrichst, aber im neuen Land vor Einsamkeit und Nostalgie frustriert, traurig und antriebslos bist. Je mehr Du es selbst möchtest, desto leichter wird es für Dich sein alle Hürden einer Auswanderung erfolgreich zu meistern.

Welches Startkapital man für die Auswanderung braucht, hängt von dem eigenen Lifestyle und den Lebenshaltungskosten ab.
Sich in der neuen Heimat mit Flohmarkt-Funden einzurichten schont die Auswanderer-Kasse.

2. Kannst Du akzeptieren Deinen bisherigen Lifestyle aufzugeben?

Ich habe meine Festanstellung als Grafikdesignerin bei einem Verlag gekündigt. Für meine günstige, hübsche 3-Zimmerwohnung in Berlin eine Nachmieterin gesucht, meine Schätze in 15 Umzugskartons verstaut und den Rest verschenkt.

Sei Dir bewusst darüber, was Du in Deutschland aufgibst. In Oslo zog ich in ein karges WG-Zimmer mit Bett, Regal und Schreibtisch. Die Kartons blieben verschlossen. Nach drei Monaten lief der Mietvertrag aus und ich bei meinem Freund ein. Er lebte in einem winzigen Studio unterm Dach. Gemütlich und günstig, aber ohne Backofen und Komfort. Zusammen lebten wir ein halbes Jahr auf engstem Raum bis wir beschlossen eine größere Mietwohnung zu suchen.

Wir zogen in das Souterrain einer weißen Villa am Stadtrand, mit Blick auf den Oslofjord. Dunkelheit und Kälte inklusive für umgerechnet rund 1.200 Euro Monatsmiete. Zwar lag die Wohnung in einem der besten Stadtteile, aber ich fühlte mich als würde ich am Rand der Gesellschaft vegetieren.

Über uns saß die wohlhabende Eigentümerin in ihrer lichtdurchfluteten Küche, während ich immer deprimierter wurde und begann am „Projekt Auswanderung“ zu zweifeln. Erst in Norwegen wurde mir bewusst, wie wichtig es für mich ist in einer Wohnung zu leben, die mein Zuhause ist.

Du fängst bei Null an. Du musst Dir Dein Leben im Ausland komplett neu aufbauen.

Erwarte anfangs nicht zu viel. Vor allem die ersten zwei/drei Jahre nach der Auswanderung sind sehr kräftezehrend. Du fängst bei Null an. Du musst Dir Dein Leben im Ausland komplett neu aufbauen. From the scratch.

Das Leben im Ausland ist oftmals teurer als in Deutschland. Gerade die Preise für Lebenshaltungskosten wie Miete und Lebensmittel sind im Ausland und speziell in Norwegen, in der Regel doppelt oder dreifach teurer. Ohne ein festes oder niedriges Einkommen kann man schnell am Rand der Verzweiflung kratzen und dazu gezwungen sein, einen anderen als den gewohnten Lebensstil aus Deutschland zu akzeptieren.

Inzwischen sind wir aus dem Soutterain in eine Eigentumswohnung gezogen. In Norwegen ist es aufgrund der hohen Mietpreise üblich in Eigentum zu investieren. Aus unserer Küche schaue ich in einen kleinen Wald in dem die Eichhörnchen ihre letzten Vorräte für den Winter sammeln – während die Kanelboller im Ofen backen und ihren herrlichen Duft in der ganzen Wohnung verströmen. Es ist mein Zuhause.

Meine Tipps: Frage Dich vor einer Auswanderung unbedingt wie wichtig Dir Dein jetziger Lifestyle ist. Kannst Du auf Annehmlichkeiten verzichten, weil die Miete im Ausland für eine kleinere Wohnung doppelt so hoch ausfällt oder die Kosten für den Wocheneinkauf im Supermarkt dreimal so hoch? Kannst Du Dich von Deinem gesammelten Hab und Gut trennen, weil der Transport über den Ozean zu teuer ist? Eine Auswanderung kann auch die Chance auf Reduktion und Besinnung auf das Wesentliche sein. Nimm nur die Dinge mit, die eine Bedeutung für Dich haben, weil sie Dich zum Beispiel an schöne Erlebnisse erinnern. Alles andere ist ersetzbar. Vergleiche Dich in den ersten Jahren nach Deiner Auswanderung nicht mit denen, die in Deinem Traumland geboren wurde. Ich schaute oft neidisch auf die Errungenschaften und Erfolge gleichaltriger Norweger/innen. Diese riesigen Eigentumswohnungen zu astronomischen Summen, diese rauschenden Feste, diese teure Markenkleidung. Lass Dich davon nicht beeindrucken!

Wenn Dir Deine Freundinnen alles bedeutet, solltest Du genau darüber nachdenken, ob du auswandern solltest oder nicht.
Im Ausland gute Freundschaften aufzubauen, nimmt viel Zeit und Energie in Anspruch.

3. Wie wichtig ist Dir die räumliche Nähe zu Deinen Freund/innen?

Mein ganzes Leben fand in einem Berliner Stadtteil statt. Meine Freunde und Freundinnen wohnten um die Ecke. Wir trafen uns in den Parks und saßen bis zum Morgengrauen zusammen bis wir uns glückselig angähnten. Wir lachten, kochten und schauten sonntags Tatort. Ich war selten glücklicher als auf meinem Fahrrad, wenn ich nach stundenlangen Gesprächen mit meiner Freundin nach Hause raste, der Berliner Himmel über leuchtete und sich der Duft der Linden in meinem Haar verfing.

Alles aufgeben für einen Traum? Mein Leben in Berlin, meine Heimat, meine Freundinnen, unsere Abende in den Bars, unsere Nächte in den Clubs. Meine Freiheit, meine Unabhängigkeit, meine Geborgenheit. Ich gab das alles auf.

In den ersten Monaten nach meiner Auswanderung fühlte ich mich sehr oft sehr einsam.

In den ersten Monaten nach meiner Auswanderung fühlte ich mich sehr oft sehr einsam. Wenn ich mich mit meinem Freund stritt, konnte ich meinen Freundinnen in Berlin zwar eine Nachricht senden. Ich konnte mich aber nicht auf mein Fahrrad setzen und wutentbrannt zu ihnen fahren. Es wartete in Oslo nirgendwo eine Freundin auf mich, die mich wortlos in den Arm nahm.

Gute Freundschaften und Vertrauen aufzubauen braucht Zeit. Im Ausland, und speziell in Norwegen, noch länger. Gleichaltrige sind oft bereits verheiratet, haben Kinder und langjährige Freundschaften. Ihr Fokus lag nicht darauf mich, die Auswanderin, in ihr Leben zu integrieren. Erst nach einiger Zeit schmiedete ich zarte Freundschaftsbändchen mit anderen Auswanderinnen aus Frankreich, Südkorea, Finnland, Estland und Deutschland. Immer von der Frage überschattet, wie lange sie selbst in Oslo bleiben.

Langsam vereinen sich zwei Welten zu einem ganz fabelhaften Freundschaftsglück.

Nach drei Jahren habe ich endlich Rückhalt gefunden. Wundervolle Freundinnen, die mir zuhören, die mich in den Arm nehmen. Mit denen ich Freud und Leid teile. Wir lachen, tanzen, weinen und fahren auf die hytte. Wir feiern Geburtstage, Einweihungspartys und treffen uns zu Kaffee und Kuchen. Ich lerne ihre neuen Partner/innen kennen und tröste sie, wenn Beziehungen wieder auseinander gehen. Während meine Berliner Freundinnen unser nächstes Wiedersehen herbeisehnen und sie mir in der Zwischenzeit am Telefon von neuen Partner/innen, Verlobungen, Umzügen und Schwangerschaften erzählen. Langsam vereinen sich zwei Welten zu einem ganz fabelhaften Freundschaftsglück.

Meine Tipps: Sei Dir bewusst, dass eine Auswanderung viele einsame Stunden mit sich bringt. Es nimmt viel Zeit und Energie in Anspruch im Ausland so enge Freundschaften aufzubauen, wie Du sie aus der Heimat kennst. Neben dem Ankommen, der Jobsuche, dem Lernen der neuen Sprache und Gepflogenheiten, nimmt das Bilden von Freundschaften einen großen Raum ein. Frag Dich daher, ob Du es schaffst alle Herausforderungen im Auswanderer-Alltag zu meistern ohne die räumliche Nähe zu Freunden und Freundinnen? Wie fühlt es sich für Dich an, wenn Du sie nach der Auswanderung nur noch ein, vielleicht zwei Mal im Jahr siehst?

Die physische Nähe zu Familie und Freunden kann einem nach der Auswanderung fehlen
Vor allem Umarmungen von Freunden und Familie fehlen nach der Auswanderung.

4. Hältst Du es aus, dass Deine Familie tausende Kilometer entfernt wohnt?

Abhängig davon wie weit Dein Traumland von Deutschland entfernt ist, wirst Du Deine Familie genauso wie Deine Freunde/Freundinnen, nach der Auswanderung seltener sehen.

„Urlaub oder Heimatbesuch?“, ist die Frage, die sich jedes Jahr aufs Neue stellt. In Norwegen hat jeder Arbeitnehmer 25 Urlaubstage. In Deutschland hatte ich 30 und konnte mir durch meinen Dienst an Sonn- und Feiertagen weitere Urlaubstage erarbeiteten. Ausreichend für Reisen nach Portugal und Italien, für verlängerte Wochenenden am Bodensee, an der Ostsee oder um die fünftstündige Zugfahrt zu meinen Eltern mehrmals im Jahr auf mich zu nehmen. Nach einer Auswanderung ist das anders – ein Balanceakt zwischen den eigenen Bedürfnisse und den Wünschen der Familie.

Ein Balanceakt zwischen den eigenen Bedürfnissen und den Wünschen der Familie.

Irgendjemand wird immer enttäuscht sein. Entweder Deine Familie, die sehnsuchtsvoll auf Dich wartet und oder Du selbst, weil Du Deine wenigen Urlaubstage nur für Besuche in der Heimat reservierst. Das neue Land möchte schließlich auch bis in den letzten Zipfel erkundet werden…

Mach Dir vor Deiner Auswanderung klar, dass Deine Familie nicht nur in einer anderen Stadt lebt, sondern in einem anderen Land. Gerade in schwierigen Phasen kannst Du nicht auf ihre physische Unterstützung zurückgreifen, sondern höchstens auf aufmunternde Worte über Skype. Vor allem Umarmungen werden Dir fehlen – sie fehlen wirklich.

Meine Tipps: Um herauszufinden ob Du ohne die räumliche Nähe zu Deiner Familie leben kannst, stell Dir folgende Fragen: Reicht es Dir, wenn Du Kontakt mit Deiner Familie über Skype hast? Kannst Du es aushalten, nicht mehr regelmäßig und aktiv am Familienleben in Deutschland teilzunehmen? Kannst Du Dir vorstellen Weihnachten, Ostern und Geburtstage nicht im Kreise Deiner Familie zu feiern, sondern alleine mit Deinem Partner am anderen Ende der Welt?

Aushilfsjobs anzunehmen gehört zum Auswanderer-Leben dazu.
Nach der Auswanderung erst einmal einen Aushilfsjob annehmen zu müssen, ist keine Seltenheit.

5. Kommst Du damit zurecht an Deine Grenzen zu stoßen?

Ich habe meine Anstellung als Grafikdesignerin in Berlin gekündigt und auf Grund meiner Eigenkündigung drei Monate kein Arbeitslosengeld erhalten. Nach Ablauf dieser Frist und meiner Auswanderung aber die Möglichkeit bekommen, die finanzielle Unterstützung weiterhin zu erhalten. Ein kleines, aber notwendiges Polster, da ich ohne eine neue Arbeitsstelle zu haben nach Norwegen gezogen bin. Ob das sonderlich schlau ist, sei dahingestellt.

Sei Dir nicht zu fein, Aushilfsjobs anzunehmen. In den ersten Monaten nach meiner Auswanderung habe ich als Barkeeperin auf Konzerten und Festivals gearbeitet und in einer deutschen Bäckerei Brezeln verkauft. Auf Dauer konnten diese Jobs mein Leben in Norwegen allerdings nicht finanzieren. Eine Festanstellung als Grafikdesignerin musste her.

Sei auf Frustration und Meere aus Tränen vorbereitet. Gerade nachdem Stolz und Euphorie über den eigenen Mut ausgewandert zu sein verflogen sind, der Alltag im neuen Land einkehrt und man eine Bewerbung nach der anderen schreibt, aber nie zu Bewerbungsgesprächen eingeladen wird, beginnt die stärkste Phase des Zweifelns und der Frustration. Ich stieß das erste Mal in meinem Leben wahrhaftig an meine Grenzen. Bis ich begriffen habe: Deine Selbstzweifel bringen Dich keinen Schritt weiter. Es liegt nicht an Dir.

Deine Selbstzweifel bringen Dich keinen Schritt weiter. Es liegt nicht an Dir.

In Norwegen gibt es zahlreiche gut ausgebildete Grafikdesigner/innen. Ebenso wenig wie die Norweger/innen darauf gewartet haben, mich als Freundin in ihr Leben zu integrieren, hat auch niemand darauf gewartet, mir eine Festanstellung als Grafikdesignerin anzubieten. Bis ein Jahr nach meiner Auswanderung eine Werbeagentur eine/n Designer/in mit fließenden Deutschkenntnissen suchte. Ich schickte meine Bewerbung ab, und wurde zehn Minuten später zum Vorstellungsgespräch eingeladen. Innerhalb von einer Woche machte ich plötzlich einen riesigen Schritt im Auswanderer-Leben: Von der Bäckerei an den Schreibtisch einer norwegischen Agentur.

Meine Tipps: Egal, ob Du mit oder ohne einen Job zu haben ins Ausland zieht, gibt es eine unumgängliche Regel: Vor einer Auswanderung muss man sparen. Punkt. Kein „Aber“, keine Entschuldigung führt daran vorbei. Im Ausland stößt auf Grund der oftmals höheren Preisniveaus Dein Erspartes schnell an seine Grenzen. Es ist schwer einzuschätzen, welches Startkapital Du für Deine Auswanderung ansparen solltest. Dies ist abhängig von Deinen Ansprüchen und den Lebenshaltungskosten im Traumland. Rechne vor Deiner Auswanderung genau aus, welche Summe Du monatlich zur Verfügung haben musst, um alle laufenden Kosten decken zu können. Bestenfalls legst Du noch einen Puffer drauf. Auch hier gilt die von mir bereits vorher gepredigte Devise: Schraub Deine Ansprüche herunter. Fang klein an. Miete nicht die viel zu große Wohnung, nur weil Du immer davon geträumt hast.

Beim Auswandern ist nicht alles planbar.
Nach der Auswanderung nimmt man oft Umwege bis man das eigentliche Ziel erreicht.

6. Muss für Dich immer alles nach Plan laufen?

Vielleicht hast Du die Vorstellung, dass Dein Leben in Deinem Traumland besser wird. Du Sorgen, Ängste und Zweifel in Deutschland zurücklassen kannst. Ich möchte Dir ehrlich sagen wie es ist: Das Leben im Ausland ist genauso wie in Deutschland. Es gibt Phasen, in denen Du zufrieden bist und jene, in denen Du Dich am Liebsten unter der Bettdecke verkriechen würdest. Von himmelhoch jauchzend bis zu Tode betrübt. In Berlin genauso wie in Oslo.

Das Leben im Ausland ist anfangs nicht besser, es ist vor allem eins – anders.

Das Leben läuft nicht immer nach Plan. Nicht immer nach Schema F und schon gar nicht so wie Du es Dir erhoffst. Kein Leben ist planbar. Und das ist eine Auswanderung ebenso wenig. Neuen Herausforderungen wirst Du nach der Ankunft im neuen Land täglich begegnen. Das Leben im Ausland ist anfangs nicht besser, es ist vor allem eins – anders.

Du musst flexibel sein. In Oslo habe ich innerhalb von drei Jahren drei Festanstellungen gehabt. Die erste noch in der Probezeit gekündigt, weil Versprechen nicht eingehalten wurden, die zweite weil ich nur über eine Zeitarbeitsfirma angestellt war. Der Entschluss nicht länger für einen großen internationalen Konzern zu arbeiten hat schließlich dazu geführt, dass ich auch meine dritte Festanstellung gekündigt habe und ab Januar 2020 selbstständig arbeiten werde.

Wäre mir das in Deutschland auch passiert? Wahrscheinlich nicht. Ich war in Norwegen dazu gezwungen auch Arbeitsstellen anzunehmen, die ich in Deutschland abgelehnt hätte. Gerade in der Anfangszeit geht es allerdings nur darum den Einstieg in den Arbeitsmarkt überhaupt zu schaffen.

Meine Tipps: Fühl Dich vor Deiner Auswanderung dafür gewappnet, dass Du Umwege in Kauf nehmen musst, um Dein Ziel zu erreichen. Im Ausland ist alles noch weniger planbar als in Deutschland. Es herrschen andere Kulturen und Sitten, die Du erst einmal entschlüsseln und lernen musst zu akzeptieren. Dafür muss man nicht einmal in die weite Ferne schweifen oder ans andere Ende der Welt ziehen. Selbst in Norwegen ist die zwischenmenschliche Kommunikation einer andere und bringt das ein oder andere Missverständnis mit sich. Enttäuschungen und Rückschläge können Dich in der Anfangszeit mitunter heftiger treffen als in Deutschland, weil sich die Frage „War es richtig auszuwandern?“ sehr gerne dazugesellt und über allem wie ein Schatten schwebt. Je offener und flexibler Du bist, desto einfacher wird es sein, am Ende das Ziel zu erreichen, das Du Dir erhoffst.

Auswandern oder in Deutschland bleiben?
Nach der Auswanderung wird einem oft bewusst wie schön die eigene Heimat ist.

7. Bist Du bereit alles aufzugeben?

Die letzte Frage, die Du Dir vor einer Auswanderung stellen solltest, ergibt sich aus der ehrlichen Beantwortung aller vorherigen: Bist Du bereit Dein Leben in Deutschland aufzugeben, um Deinen Traum zu leben? Oder ist es so wie es gerade ist nicht doch ganz schön?

Es sind die kleinen Dinge. Oftmals kannst Du mit wenigen Veränderungen Dein Leben zufriedener gestalten. Auch in Deutschland. Möchtest Du mehr Sport machen? Dafür musst Du nicht ins Ausland ziehen. Wünschst Du Dir, Deine Freundinnen und Familie öfter zu sehen? Dann zieh ja nicht ins Ausland! Möchtest mehr Zeit in der Natur zu verbringen? Deutschland hat wundervolle Landschaften. Geh raus. Erkunde die Natur in der näheren Umgebung – das kleine Glück liegt nicht nur im Ausland, sondern direkt vor Deiner Haustür oder eine kurze Zugfahrt entfernt.

Die berühmte Skandinavien-Blase. Ich kenne es nur zu gut, sich Dinge sehr fantasievoll immer sehr schön auszumalen. Seit meiner Kindheit schwebte ich stundenlang in einer verklärten Skandinavien-Blase: Alles ist besser in Skandinavien, alles muss besser sein in Skandinavien. Den Traum vom Auswandern konnte ich nie vergessen und zog nach Norwegen.

Ich stellte mir nie die Frage „Auswandern oder nicht?“, ich tat es einfach.

Ich stellte mir nie die Frage „Auswandern oder nicht?“, ich tat es einfach. Und das kannst Du auch. Wenn Dein Wunsch immer stärker wird, Du Dich gewappnet fühlst und das Abenteuer wagen möchtest, dann mach es! Fang an zu sparen, kündige Deinen Job und starte das Abenteuer.

Sei mutig! Nimm all Deinen Mut zusammen. Lass Deinen Traum vom Auswandern Wirklichkeit werden. Wage und probiere Neues. Wachse. Lerne Dich von ganz anderen Seiten kennen. Du kannst nur das bereuen, was Du nicht getan hast. Selbst wenn Du Dich nach den Auslandsjahren dazu entscheidest nach Deutschland zurückzuziehen, bist Du reicher als zuvor. Reicher an Lebenserfahrung. Und die wird für immer Deine sein.

Mein Tipp: Wenn Du den Schritt wagst und ins Ausland zieht, ist Vorbereitung das A und O. Informiere Dich genau über das Land, in das Du auswanderst. Saug alle Informationen auf. Sei nicht zu scheu jede Frage, die Dir auf der Zunge brennt zu stellen. Nimm Kontakt zu anderen Auswander/innen auf und profitiere von ihren Erfahrungen. Eine gute Möglichkeit Dein Traumland besser kennenzulernen ist, dort eine längere Periode zu verbringen. Ich spreche hier nicht von zwei Wochen Urlaub, sondern bestenfalls von mehreren Monaten. So kannst Du herausfinden, ob sich das dauerhafte Leben dort tatsächlich besser anfühlt als der Alltag in Deutschland und eine fundierte Entscheidung treffen, bevor Du alles aufgibst.

Alle 7 Fragen, die Du Dir vor Deiner Auswanderung stellen solltest noch einmal für Dich im Überblick:

  • Warum möchtest Du auswandern?
  • Kannst Du akzeptieren Deinen bisherigen Lifestyle aufzugeben?
  • Wie wichtig ist Dir die räumliche Nähe zu Deinen Freund/innen?
  • Hältst Du es aus, dass Deine Familie tausende Kilometer entfernt wohnt?
  • Kommst Du damit zurecht an Deine Grenzen zu stoßen?
  • Muss für Dich immer alles nach Plan laufen?
  • Bist Du bereit alles aufzugeben?
Meine Tipps: Nimm Dir ausreichend Zeit um die Fragen zu beantworten. Es müssen nicht alle auf einmal sein. Vielleicht sind einige Fragen leichter zu beantworten als andere. Gehe sie in Ruhe durch. Hör auf Dein Bauchgefühl. Sei ehrlich zu Dir selbst! Du musst mit Deinen Antworten niemanden beeindrucken, sondern nur deine eigene herausfinden. Sei Dir klar darüber, dass eine Auswanderung ein riesiger Schritt ist, viel Zeit und Geld kostet. Eine bewusste Entscheidung und gründliche Vorbereitung zahlen sich am Ende aus.

Ich bin gespannt auf Eure Erfahrungen. Bist Du auch ausgewandert und hast ähnliche Erfahrungen gemacht? Oder träumst Du noch davon, Deutschland zu verlassen? In welches Land möchtest Du auswandern?

Ich freue mich auf Deine Geschichte und Deinen Kommentar!


Text: Maren Tanke
Titelbild: Mikita Karasiou
Fotos: Samuel Han, Alyssa Strohmann, Priscilla Du Preez, Brooke Cagle, Bogdan Karlenko, Claudio Schwarz | Unsplash

0 Kommentare zu “Auswandern oder nicht? Wie Du Deine ganz persönliche Antwort findest

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.