Ein Tipp gegen Heimweh ist Atmen

11 Tipps, die mit Sicherheit gegen Heimweh nach der Auswanderung helfen

Nach der Auswanderung schwimmen viele in einem wilden Wechselbad der Gefühle. Von größten Glücksmomenten zu depressiven Verstimmungen. Vom Stolz über den mutigen Schritt bis zur knallharten Landung auf dem Boden der Tatsachen. Wenn die erste Hochphase vorbei ist, treffen viele auf eines der häufigsten Gefühle im Auswanderer-Repertoire: Heimweh. In diesem Post stelle ich 11 Tipps vor, die Dir helfen können Dein Heimweh nach der Auswanderung zu lindern.

1. Raus, raus, raus in die Natur.

In Norwegen und überall auf der Welt gibt es das beste Mittel gegen Heimweh in Hülle und Fülle und das vollkommen kostenlos – die Natur. Selbst wenn man in größeren norwegischen Städten wie Oslo, Bergen oder Trondheim wohnt, liegt die Natur immer nur ein paar Gehminuten oder eine kurze Fahrt entfernt. Spaziergänge am Fjord oder um den See, eine Wanderung auf den nächsten Berg oder durch die marka wirken Wunder: „Wenn man im Wald spazieren geht, schlägt das Herz messbar ruhiger, der Blutdruck sinkt, die Muskeln entspannen sich. Gleichzeitig werden Angespanntheit, Stress und Erschöpfung verscheucht, und positive Gefühle erscheinen größer und wichtiger als jene, die einen eher zermürben.

2. Verwöhn Dich!

Sei nach Deiner Auswanderung ruhig ein wenig egoistisch. Du hast Deine Heimat hinter Dir gelassen und damit ungewöhnlich Großes geleistet. Verwöhn Dich! Du hast es verdient. Erinnere Dich daran, was Dich in Deutschland glücklich gemacht hat. War es der Marmorkuchen nach geheimem Familienrezept? Fantastisch – nimm Dir Zeit für ein ausgiebiges Backgelage. Genieß jeden Bissen des saftigen Kuchens. Lass es Dir einen ganzen Tag im Spa gut gehen. Buche eine einstündige Massage. Meditiere täglich. Mach bewusst Dinge, die Dir besonders gut tun und genieße diese Momente in vollen Zügen.

Mach bewusst Dinge, die Dir besonders gut tun und genieße diese Momente in vollen Zügen.

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3. Lade zum deutschen Festmahl ein.

Apropos Marmorkuchen. Nachdem ich schnell an die Grenzen der norwegischen Kulinarik stieß, träumte ich mich zurück ins deutsche Schlaraffenland. Laugengebäck, Rhabarberkuchen, Schwarzbrot, Semmelknödel, Schwäbischer Kartoffelsalat, Königsberger Klopse, Kartoffeln mit Kräuterquark, Käsespätzle, Maultaschen… Was hilft besser gegen Heimweh als die wärmende Kost aus der Heimat? Zelebriere die deutsche Kochkunst! Lade Deine neuen Freund*innen und Nachbar*innen zum gemeinsamen Schlemmen ein. Deine Gäste haben wahrscheinlich selten deftiger und besser gegessen.

4. Ruf Deine Oma an.

Die Weisheit der Großeltern ist, nach eigenen Recherchen, oft die beste. Ruf Deine Oma an. Ruf Deinen Opa an. Erzähle ganz ehrlich von den Zweifeln nach der Auswanderung, von Problemen im neuen Job, von Einsamkeit, dem oftmals lähmenden Heimweh und den Schwierigkeiten gute Freund*innen im neuen Land zu finden. Mein Opa ist an Mittsommer ein Jahr vor meiner Auswanderung verstorben. Ich erinnere mich immer wieder an seine weisen Worte: „Mach was draus, Kind. Mach was draus.

5. Dreh die Musik lauter – und tanze.

Musik hilft immer. Dreh sie lauter. Lauter. Noch lauter! Und tanze. Tanz durchs Wohnzimmer, die Küche, das Schlafzimmer. Mach Deine ganze Wohnung zu Deiner Tanzfläche. Wirf Deine Arme in die Luft. Verknote Deine Beine. Dreh Dich so lange bis Dir schwindelig wird. Sing lauthals mit. Sing Deine Wut weg. Deinen Frust, die Trauer, die Einsamkeit, das Unverständnis aller anderen. Das Heimweh, das hartnäckige. Hör nicht auf zu tanzen, bis Du lächelnd außer Atem aufs Sofa fällst. Alles wird gut.

Zwei meiner liebsten Songs zum durch die Wohnung tanzen:

6. Schwelge in Erinnerungen.

In meinem Bücherregal im Wohnzimmer steht ein klitzekleines Andenken – eine britische Telefonzelle. Sie fällt trotz ihrer typisch knallroten Farbe zwischen all den kunterbunten Büchern kaum auf. Manchmal, wenn ich meinen Blick gedankenverloren streifen lasse, entdecke ich sie. Und erinnere mich an all die Dummheiten, die meine Freundin und ich während unserer Wochenendtrips in London verzapft haben. Überall in meiner Wohnung finden sich Andenken an mein Leben in Deutschland. Die Berliner Landkarte an der Küchenwand, Fotos von Partynächten über meinem Schreibtisch oder die Telefonzelle im Bücherregal. Mir zaubern diese Andenken immer wieder ein Lächeln ins Gesicht – an guten wie an schlechten Tagen. Erinnerungen an Deine Freund*innen und Eure gemeinsamen Erlebnisse können Dein Heimweh leider auch verstärken. Finde für Dich selbst heraus, welche Dosis die richtige für Dich ist.

7. Sei offen und neugierig.

Die Auswanderung kann neben allen Herausforderungen auch die Chance bieten, Neues auszuprobieren. Gab es in Deutschland Dinge, die Du immer machen wolltest, Du aber keine Zeit dafür hattest? Mach. Es. Jetzt. Geh im Wald joggen. Melde Dich für den Tanz- oder Karatekurs an. Geh alleine ins Kino und auf Konzerte. Sprich die Frau an, die im Bus neben Dir sitzt, weil sie so gut nach Dr. Oetker-Vanillepudding riecht. Und der Duft Deiner Kindheit Dich für einen kurzen Moment wärmend umarmt. Ich weiß aus eigener Erfahrung, dass es schwerfällt, sich auch nach Rückschlägen immer wieder aufzuraffen. Versuche es aber so gut und so oft Du kannst. Es wird nicht besser, wenn Du die dunklen Abende auf dem Sofa verbringst.

Mein Tipp für alle Auswanderer in Norwegen: Es gibt zahlreiche Angebote von Vereinen und Organisationen. Finde heraus, ob es diese in Deiner Gegend oder Deinem Stadtteil gibt. Viele Städte und Kommunenen fördern diese Kurse, sodass manchmal nur eine kleine Teilnehmergebühr anfällt oder sogar gratis sind.

8. Akzeptiere Anderes.

Auch wenn es unmöglich scheint, dass das Leben in Skandinavien anders ist als in Deutschland, so gibt es viele feine kulturelle Unterschiede. Diese zeigen sich oftmals erst, wenn man dauerhaft im neuen Land lebt. Langsam entschlüsselt man die sozialen Codes und begreift: Wir sind anders. Wir sind anders aufgewachsen. Wir wurden anders erzogen. Wir arbeiten anders. Unsere tief in uns verankerte deutsche Identität ist eine andere. Akzeptiere, dass das Leben im neuen Land anders funktioniert und andere soziale Regeln gelten. Fang nicht an zu sagen: „In Deutschland war das anders. In Deutschland haben wir das so gemacht. Aus Deutschland kenne ich das nicht. In Deutschland war alles besser.“ Es ist anders – und das muss nicht automatisch schlechter sein.

9. Plane Deinen nächsten Besuch in der Heimat.

Wir kennen alle den Spruch „Vorfreude ist die schönste Freude.“ So abgedroschen er auch klingen mag – es ist die Wahrheit. Plane Deinen nächsten Besuch in Deutschland. Bade im Gefühl der Vorfreude. Wenn Du in ein Nachbarland Deutschlands ausgewandert bist, liegt die Versuchung nahe, bei jeder Gelegenheit zurückzufahren. Komm erst in Deiner neuen Heimat an. Fokussiere Dich darauf hier ein Leben aufzubauen und soziale Kontakte zu etablieren. Du wirst später merken, dass Du Dich während Deiner Besuche in Deutschland immer mehr auf Dein neues Zuhause freust – Vorfreude… Vergiss nicht, Deine neuen Freund*innen nach Deiner Rückkehr zu einem deutschen Festmahl einzuladen, siehe Punkt 3.

10. Lade Freunde und Familie ein.

Die ganz große Euphorie über die Auswanderung ist mittlerweile verpufft. Alles ist Gewohnheit. Alles ist Alltag. Ich weiß in welchen Cafés es die besten Zimtschnecken gibt, und wo ich ungestört lesen kann. Ich kenne alle U-Bahn-Fahrpläne auswendig. Ich tüftele jedes Jahr meine Steuererklärung zurecht und habe eine Hausärztin. Nach dreieinhalb Jahren bin ich in Norwegen angekommen. Die Schönheit des Landes ist ebenso alltäglich geworden, wie jeden Morgen aufzustehen, drei Mahlzeiten zu essen und zu arbeiten. Lade Deine Familie und Freund*innen aus Deutschland ein und zeige ihnen all die wundervollen Ecken Deiner neuen Heimat. Sie werden Dich mit verzückten Ohs und Ahs erneut an die Einzigartigkeit Deines Traumlandes erinnern. Daran warum Du ausgewandert bist. Und bleibst.

11. Sei stolz auf Dich.

Rede nicht klein, dass eine Auswanderung jede*r durchziehen kann, dass eine Auswanderung wirklich nichts Besonderes ist. Halt. Stopp. Hier und jetzt. Zu einer Auswanderung entschließt sich nicht jede*r. Nicht alle folgen ihren Träumen. Nicht alle geben ein Leben in Deutschland auf. Mach Dir bewusst, was Du geschafft hast. Du bist ausgewandert in ein fremdes Land. Bist täglich umgeben von einer anderen Kultur. Du sprichst fließend eine neue Sprache. Du navigierst Dich mit Bravour durch alle Widrigkeiten. Schlägst Dich meisterhaft im Entschlüsseln geheimer sozialer Codes. Und hast nebenbei noch neue Freundschaften geschlossen. Die Auswanderung hat Dich verändert, Dir Grenzen aufgezeigt. Aber Du hast Dich nicht entmutigen lassen. Ja, sei verdammt nochmal stolz auf Dich.

Zusammengefasst: Heimweh kann sehr hartnäckig sein. Kehrt das Gefühl immer wieder, ist es einfach sich in einem rücksichtslosen Teufelskreis zu verlieren. Es gibt aber einige Tipps gegen Heimweh, die helfen daraus auszubrechen. Vor allem der Fokus auf soziale Kontakte, Bewegung, das in der Natur sein und die bewusste Aufmerksamkeit auf angenehme Aktivitäten, können Heimweh lindern. Auch der Austausch mit anderen Auswander*innen kann hilfreich sein. Vielleicht gibt es einen Auswanderer-Stammtisch in Deiner neuen Heimatstadt, eine Facebook-Gruppe oder Gleichgesinnte auf Instagram?

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Text: Maren Tanke
Foto: Tim Goedhart | Unsplash

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