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Einkaufen in Norwegen: Harrytur

Es gibt mindestens 1000 gute Gründe, warum es so fantastisch ist, in Norwegen zu leben. Ein Grund aber, ist noch ein bisschen besser als alle anderen: Schweden ist nie weit weg. Wohnt man zum Beispiel wie ich in Oslo, erreicht man die schwedische Grenze in knapp anderthalb Stunden.

In Schrittgeschwindigkeit ins Shopping-Paradies

Willkommen auf der norwegischen Autobahn! Das heißt: 90 km/h Höchstgeschwindigkeit. Das Auto schleicht. Es ist Sonntag. Wir gähnen. Wir träumen uns auf deutsche Autobahnen. 140 km/h, das wäre jetzt was. Oder wenigstens 120. In Norwegen fährt man auf Autobahnen Schrittgeschwindigkeit. Die ganzen Berge, immer wieder rauf und runter, Serpentinen, Brücken, auf und ab. Das muss man ja auch Bedenken. Das hat nichts mit der norddeutschen Tiefebene zu tun. Das ist wahre Landschaft. Und diese Landschaft fordert Geduld ebenso wie Aufmerksamkeit. Wir passen uns an und staunen mit Ahs und Ohs über die vorbei kriechende Natur. „Oh wow, hast Du das gesehen? Ah, Wahnsinn, ein Wasserfall!“

Das Paradies liegt in Schweden

Nach einer meditativen Autofahrt, erreicht man die schwedisch-norwegische Grenze, die mit ihrer Länge von 1630 Kilometern die längste Grenze zwischen zwei Staaten in Europa ist. Direkt dahinter liegt das Paradies. „Godis! Süßes! Kebab! Cola! Pizza! Billig!“, schreien die Plakate, die die Wege im Paradies säumen. Mitten in der schwedische Einöde, eingerahmt von unendlichen, sanften Feldern liegt es, das Paradies: ein mindestens 100 Fußballfelder großer Parkplatz mit einem 85.000 m² großen Einkaufszentrum am Ende des Horizonts. Wir sind nicht die einzigen. Norwegen liegt heute hinter der Grenze. Rund 90% aller Kunden sind Norweger. Es ist Sonntag, der einzig wahre Tag für eine harrytur.

„Godis! Süßes! Kebab! Cola! Pizza! Billig!“, schreien die Plakate, die die Wege im Paradies säumen.

Wer ist eigentlich Harry?

Lebensmittel, und insbesondere zuckerhaltige Waren, sind in Norwegen durchschnittlich zwei- bis dreimal so teuer wie in Deutschland. Von den norwegischen Preisen für Alkohol ganz zu schweigen. In Schweden sind Lebensmittel zwar auch teurer als in Deutschland, aber immer noch günstiger als in Norwegen. So hat sich, besonders in den Grenzregionen zu Schweden, über Jahre hinweg ein florierender Grenzhandel entwickelt.

Richtig bekannt wurde der Begriff harrytur ab dem Jahr 2002. Der damalige norwegische Landwirtschaftsminister äußerte sich in einem Interview abfällig über den Grenzhandel, „es sei total harry über die Grenze nach Schweden zu fahren, um massenweise billige Lebensmittel einzukaufen.“

Der Vorname Harry wird in Norwegen umgangssprachlich gebraucht, um etwas als geschmacklos, provinziell oder bildungsschwach zu beschreiben. Würde Harry in Deutschland leben, hieße er vermutlich Kevin oder Justin.

5 Tipps für Deine erfolgreiche „harrytur“

  • Du solltest Deine harrytur für das Wochenende planen, bestenfalls sonntags. Nur an diesen Tagen ist die Shopping-Tour nach Schweden eine echte harrytur.
  • Kauf mindestens zwei Kilogramm godteri, Süßigkeiten. Gerne eine Mischung aus sehr süßem und sehr saurem Fruchtgummi, Lakritz und Schokosünden.
  • Kauf außerdem mindestens fünf Paletten Softdrinks, bevorzugt Cola oder Pepsi Max.
  • Fleisch muss mit! Schreck nicht vor Hackfleisch und Hähnchen in Familien-Packungsgrößen zurück.
  • Zu guter Letzt, aber nicht minder wichtig, gehört dazu: Alkohol. Aber Achtung! Es gelten strikte Regeln für die Menge Alkohol, die Du nach Norwegen importieren darfst. Mehr Informationen gibt es beim norwegischen Zoll: Einfuhr von Alkohol nach Norwegen.

Als Alternative: Die „harrytur light“

Wer ebenso wie ich nicht raucht, wenig trinkt, und Teilzeit-Vegetarier ist, dem empfehle ich die gesündere Variante, die harrytur light. Der Fokus bei dieser „Tour mit Klasse“ liegt auf Milchprodukten und ausländischen Spezialitäten wie Quark, Ricotta, Parmesan, Bratwurst, Bresaola und Serranoschinken. Die sind in Norwegen schwindelerregend teuer.

Da bleibt nur noch zu wünschen: Happy Harry!


Foto: Marc Babin | Unsplash

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