Eine Hütte am Fjord in Norwegen

Wie verbringen Norweger ihre Wochenenden?

Es gibt mindestens 1000 gute Gründe, warum es so fantastisch ist, in Norwegen zu leben. Ein Grund aber, ist noch ein bisschen besser als alle anderen: die Wochenenden. Denn in Norwegen beginnt das Wochenende spätestens freitags um 14 Uhr, wenn es heißt: Hyttetur!

Viele Norweger besitzen eine hytte, ein Ferienhäuschen, in dem sie sich an Wochenenden vom Arbeitsalltag in der Stadt erholen. Hyttetur, Hüttentour, heißt, das Büro spätestens am Freitag nach der Mittagspause zu verlassen, um eingeklemmt zwischen tonnenweise Lebensmitteln, Alkohol, und diversen Gepäckstücken im Auto zu sitzen. Vierwöchige Exkursion? Nichts da. Ein Wochenende, Freitag bis Sonntag, that’s it.

Das Glück der Norweger liegt in der Natur

Viele Norweger, vor allem die Großstädter, arbeiten freitags im hjemmekontor, also von zuhause aus, um bereits zur Mittagszeit aufzubrechen und so den kilometerlangen Staus, die sich von Oslo Richtung Natur schlängeln, zu entkommen. Sie fahren Richtung Berge oder Richtung Meer. Sie brechen auf zu ihrer Hütte auf einer einsamen Insel, zu der man nur mit einem kleinen Motorbötchen kommt. Sie brechen auf zu ihrer Hütte ohne Zugang zu öffentlichen Verkehrswegen, auf dem Gipfel eines Berges. Zu denen man sich im Winter, mit schweren Rucksäcken, durch mannshohen Schnee kämpfen muss.

Rauszukommen, alleine zu sein, mit sich und der Familie, mit Freunden. Sich im Winter die Langlaufskier unter die Füße zu schnallen, und kilometerweit durch weite Schneelandschaften zu gleiten und absolut nichts zu hören. Mit dem Snowboard die Hänge runter zu jagen. Mit dem Kajak die Küste entlang zu paddeln. Von Gipfel zu Gipfel wandern, mit dem Fjord zu den Füßen.

Um abends vor prasselndem Kaminfeuer zu sitzen, gemeinsam aufs Meer zu schauen und zu schweigen.

Norwegen ist Natur. Die hyttetur ist die mit Abstand die schönste Art, diese zu erleben und zu genießen.

Hüttenleben ist Luxus, Baby!

Heutzutage gleichen viele Hütten mehr luxuriösen Wohnhäusern, als es der Begriff hytte vermuten lässt. Viele „Hütten“ sind mit allem erdenklichen Komfort ausgestattet – fließend Warmwasser, TV und Internet, Kamin, Strom, Fußbodenheizung, Waschmaschine, Trockner, modernster Küche, und Regenwald-Dusche – nur noch übertroffen von: einer Sauna.

Oft findet man in den Hütten mehrere, recht übersichtliche Schlafzimmer, in denen Doppel- oder Stockbetten stehen. Mit unendlich weichen Matratzen ausgestattet, auf die man sich nach langen Tagen so wunderbar schmeißen und friedlich schlafen kann, während draußen die unberührte Natur ihre herrlichen Düfte, im Sommer Beeren und Früchte, und im Winter Neuschnee produziert.

Es scheint fast unmöglich, dass es in der Einsamkeit der norwegischen Natur auch noch Hütten ohne jeglichen Komfort geben soll. Kein Internet, kein Strom, kein Wasser, und nur das berüchtigte utedo, ein Plumpsklo, das in einem hölzernen Verschlag außerhalb der Hütte liegt.

5 Fakten über norwegische Hütten

Als Deutsche sind meine Aussichten auf eine eigene Hütte in Norwegen also nicht gerade rosig. Manchmal aber, laden Norweger ein zur hyttetur. Und dann rufe ich meinen Kollegen freitags um 14 Uhr aufgeregt und voller Vorfreude zu: Ich bin dann mal weg!


Foto und Text: Maren Tanke

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